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Gedenken an Pogromnacht

Einladung zur Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof

Auch in diesem Jahr wird auf dem jüdischen Friedhof der Opfer der Pogromnacht von 1938 gedacht. Die Gedenkveranstaltung wird am Freitag, 9. November, um 12 Uhr stattfinden.

Die Gedenkveranstaltung beginnt am Freitag, 9. November, um 12 Uhr auf dem jüdischen Friedhof (Woesteweg/Ignatz-Bubis-Platz).

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Theo Mettenborg wird Irith Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, die Gedenkansprache halten. Anschließend folgt ein Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Israel-AG des Einstein-Gymnasiums unter der Leitung von Thorsten Mönning. Den Abschluss bildet die Kranzniederlegung. Die Herren werden gebeten, jüdischem Brauch entsprechend, eine Kopfbedeckung zu tragen.

„Erinnern tut weh.“ – Gedenkveranstaltung 2017

„Erinnern tut weh. Es löst Entsetzen aus und lässt uns verstummen und aufschreien zugleich.“ Mit diesem Zitat der ehemaligen  Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süßmuth eröffnete Bürgermeister Theo Mettenborg 2017 auf dem jüdischen Friedhof die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Pogromnacht von 1938.

Trotz anhaltenden Regens nahmen über 150 Menschen am Gedenken teil. Mettenborg betonte, dass die Erinnerung um der Opfer willen und um unser selbst willen unverzichtbar sei. Keine Gesellschaft und auch kein Staat könnten ohne Erinnerung leben.

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister erinnerte Dr. Rüdiger Krüger, Leiter der VHS Reckenberg-Ems, in seiner sehr persönlich gehaltenen Gedenkansprache daran, dass es nicht nur Opfer, sondern auch Täter gab – und dass über sie zu oft geschwiegen wurde. Erst intensive Spurensuche habe ihm vor Augen geführt, dass sein Großonkel kein einfacher Mitläufer des NS-Regimes, sondern in den Reihen der SS keine unbedeutende Rolle spielte. Nach dem Krieg kehrte er schnell entnazifiziert in die normale Gesellschaft zurück und war in seinem Umfeld, etwa seiner Kirchengemeinde, ein angesehener Mann.

Das sei zu oft möglich gewesen, so Dr. Krüger, weil der Antisemitismus keine Erfindung der Nazis war und keine Episode von 1933 bis 1945 blieb, sondern weil auch im Christentum oft Antisemitismus propagiert wurde. Gerade im Reformationsjahr erinnerte der Redner an ausdrücklich antijüdische Schriften Luthers, von denen sich die evangelische Kirche aus Sicht  Dr. Krügers viel zu schwach distanziert hätte. Krüger forderte dazu auf, die weit überwiegenden Gemeinsamkeiten der Religionen zu sehen und nicht mit teilweise nur geringfügigen Unterschieden die Verfolgung Andersgläubiger, Andersdenkender und Anderslebender zu begründen.

Anschließend folgt ein Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Israel-AG des Einstein-Gymnasiums unter der Leitung von Thorsten Mönning mit dem Thema „Von Rheda nach Auschwitz und Theresienstadt“. Die Jugendlichen schilderten eindrücklich ihre Erlebnisse und Empfindungen  bei den Besuchen in den beiden Konzentrationslagern. Erinnerungen an dort getötete Mitglieder der Rhedaer Synagogengemeinde gehörten dazu. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Sängerinnen und Sänger des Jugendchores St. Aegidius unter der Leitung von Jürgen Wüstefeld. Den Abschluss bildeten die Kranzniederlegung und das Kaddisch, das Gebet für die Toten, das Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld sprachen.

Foto (v.l.n.r.): Jörg Eickholz (Bauhofmitarbeiter), Bürgermeister Theo Mettenborg, Ewgenij Kirschner von der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, VHS-Leiter und Redner Dr. Rüdiger Krüger sowie Wolfgang Kern (Bauhofmitarbeiter), legten den Kranz vor der Gedenkstele nieder.

Broschüre zum Pogromgedenken

Seit vielen Jahren lädt die Stadt zum gemeinsamen Gedenken an die Opfer des Pogroms vom 9. November 1938 ein. Seitdem 1997 Gräber auf dem Jüdischen Friedhof verwüstet wurden, findet das Gedenken auf dem Gräberfeld am Ignatz-Bubis-Platz statt.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Gedenkveranstaltungen sind die Gedenkansprachen. Angefangen mit Paul Spiegel, dem damaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, haben seither zahlreiche Geistliche, Politiker, Wissenschaftler oder Zeitzeugen auf dem Friedhof gesprochen. Deshalb, so Bürgermeister Theo Mettenborg, „haben wir uns entschlossen, die Gedenkreden der letzten 20 Jahre in einem Heft zusammenzufassen. Denn wir finden: diese Gedenkreden sind wertvolles Zeitbild und historische Quelle zugleich. Sie zeigen den individuell unterschiedlichen Umgang mit Trauer und Gedenken und sie zeigen ganz deutlich: Erinnerung ist unverzichtbar!“

Das knapp 80-seitige Heft entstand auf Anregung von Dr. Wolfgang-A. Lewe. Es fasst die Redetexte zusammen, die seit 1997 von den Rednern zur Verfügung gestellt wurden (Es gilt das gesprochene Wort!). Dazu gibt es Informationen über die Geschichte des Friedhofs, Aktionen der Israel-AG zur Gedenkveranstaltung und der 2002 dort enthüllten Gedenkstele.

Die Broschüre wendet sich an historisch Interessierte und wurde am Sonntag im Anschluss an die Gedenkveranstaltung den Teilnehmern überreicht. Sie ist auch auf Anfrage im Rathaus oder beim Heimatverein Rheda erhältlich.