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Vortrag EU-Exporte

Vortrag: „Wie die EU den armen Völkern schadet“

„Freier Handel macht nur zwischen etwa gleich starken Partnern Sinn!“ Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Afrika auf dem Prinzip des freien Handels aufbauen zu wollen, wenn dazu noch Zölle den stärkeren schützten, habe verheerende Folgen für Afrika. Davor warnte Francisco Mari in seinem Vortrag „Wie die EU den armen Völkern schadet“.

„Freier Handel macht nur zwischen etwa gleich starken Partnern Sinn!“ Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Afrika auf dem Prinzip des freien Handels aufbauen zu wollen, wenn dazu noch Zölle den stärkeren schützten, habe verheerende Folgen für Afrika. Davor warnte Francisco Mari in seinem Vortrag „Wie die EU den armen Völkern schadet“.

Dazu hatte die Steuerungsgruppe „Fair-Trade-Stadt Rheda-Wiedenbrück“ eingeladen und konnte sich über einen vollen Luise-Hense-Saal freuen. Bevor der Ernährungsexperte von „Brot für die Welt“ im Stadthaus seinen Vortrag beginnen konnte, mussten noch Stühle nachgestellt werden.

Wie ein roter Faden zog sich durch den Bericht des Referenten die Überzeugung, dass freier Handel nur funktionieren kann, wenn die Beteiligten gleich stark sind. Darum müsse der afrikanische Kontinent durch Schutzzölle davor bewahrt werden, von Agrarüberschüssen aus der EU überschwemmt zu werden, und in den Stand versetzt werden, eine eigene industrielle Produktion aufzubauen. Erst die Verarbeitung der eigenen Produkte wie etwa Kakaobohnen zu hochwertiger Schokolade kräftige den Binnenmarkt, schaffe im Land Arbeitsplätze, Bildung, Wohlstand und Wertschöpfung.

Anhand von Schautafeln legte der Referent dar, dass der Anteil Afrikas am Welthandel mit vier Prozent außerordentlich gering sei und vor allem auf Rohstoffen wie Erdöl beruhe. Der Export von verarbeiteten Produkten in die EU werde durch Zollschranken behindert. Wenn sich dagegen afrikanische Staaten durch Zölle gegen massenhafte Einfuhren aus der EU schützen wollten, werde dies als Verstoß gegen die Freihandelsregelungen der WTO (Welthandelsorganisation) geahndet. An verschiedenen Beispielen legte der Referent dar, wie durch europäische Agrarüberproduktion einheimische Märkte in Afrika zerstört werden. In Kamerun hatte der Referent selbst miterlebt, wie der florierende Anbau von Zwiebeln durch Importe aus der EU ruiniert worden ist.

Deutschland könne als „global player“ des weltweiten Agrarhandels bezeichnet werden. Es spiele bei den schädlichen landwirtschaftlichen Exporten, etwa von Weizen, Milchpulver und Fleisch, eine große Rolle – nur eben zum Nachteil der afrikanischen Länder. Landwirtschaft ist in Afrika der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Sie deckt 75 % des Kalorienbedarfs der Bevölkerung und 67 % der Beschäftigten arbeiten dort. Gut vorstellbar, wie verheerend konkurrierende Billigimporte aus der EU hier wirken. Und mit dieser Vernichtung der einheimischen Lebensgrundlagen fördere die EU indirekt die Migration aus Afrika nach Europa.

In der anschließenden lebhaften Diskussion, die von Umweltberaterin Dorothee Kohlen, geleitet wurde, legte Francisco Mari dar, dass „Brot für die Welt“ regelmäßig bei der EU vorstellig werde und auf die schädlichen Konsequenzen eines unbeschränkten Freihandels hinweise. Das sei nicht leicht, weil Deutschland als Exportnation sehr stark von der Ausfuhr seiner Produkte lebe. „Brot für die Welt“ unterstütze in Afrika Projekte zur Förderung von einheimischen Erzeugnissen wie Hirse und Sorghum, um von Weizenimporten unabhängiger zu machen. Recht nachdenklich verließen die Zuhörer am Schluss den Luise-Hensel-Saal. Sie waren im Zweifel, ob man  in der EU die Kraft habe, das Steuer herumzureißen und eine Außenhandelspolitik zu betreiben, die den afrikanischen Völkern wirklich hilft.

 

Ein weiteres Thema in der Diskussion:

Auf den Export von Elektroschrott z. B. nach Ghana angesprochen erklärte der Referent, dieser Export werde nur dann genehmigt, wenn die Empfängerländer bestätigen könnten, mit dem gleichen technischen Standard wie in Europa den Schrott zu entsorgen. Dass es dabei mit rechten Dingen zugehe, wurde von  den Anwesenden, die selber vor Ort in Ghana gewesen waren, angezweifelt.

Bild 1: Franzisco Mari, Brot für die Welt (Foto: BfdW)

Bild 2: Experte Francisco Mari (3. v.l.) mit der Steuerungsgruppe „Fair-Trade-Stadt Rheda-Wiedenbrück“ Dorothee Kohlen, stellvertr. Bürgermeisterin Brigitte Frisch-Linnhoff, Dr. Wennemar Schweer, Thomas Setzer und Karl-Heinz Simon.