Rheda-Wiedenbrück: Doppelt sympathisch

Sehen Sie doppelt? In Rheda-Wiedenbrück kommt das häufiger vor und ist kein Zeichen für übermäßigen Alkoholkonsum: Zwei Altstädte, zwei Rathäuser, zwei Marktplätze, zwei Freibäder und viele andere Dinge sind in Rheda-Wiedenbrück doppelt und dreifach vorhanden. Schließlich haben die ehemals selbständigen Kleinstädte Rheda und Wiedenbrück bei ihrer Vereinigung 1970 vieles mitgebracht, was der Nachbar auch hatte.

So hat sich der Charme von Fachwerk- und Barockbauten, gemütlichen kleinen Altstadtgassen und schönen Parks verdoppelt - und mehr als verdoppelt - als vor über 30 Jahren eine Stadt in Westfalen entstand, gebildet aus zwei konkurrierenden aber gar nicht so unähnlichen Kleinstädten und den umgebenden Dörfern Batenhorst, Lintel, St. Vit und Nordrheda-Ems. Die bringen ebenfalls ihren eigenen Reiz mit in die Stadt und ihre eigenen Menschen, die ihre Heimat lieben und sie pflegen. Die zahlreichen Vereine, Verbände und Kirchengemeinden sind nach der Zusammenlegung nicht weniger, sondern mehr geworden. Alle Ortsteile haben eigene Schützen- oder Feuerwehrfeste, Gesangsverein oder andere Verbände, die den Charakter ihres Stadtteils erhalten. Und die Nachbarn besuchen eifrig die Feste in den anderen Ortsteilen. Durch die Liebe zu ihrem jeweiligen Teil von Rheda-Wiedenbrück bemühen sich alle, ihren Flecken Heimat noch schöner zu machen. Das kommt schließlich dem Ganzen zugute.

Doppelt schön ist es auch für den auswärtigen Besucher, die beiden von Fachwerkhäusern geprägten Altstadtkerne zu erleben. Die Wärme des Holzes und die oft fein verzierten, liebevoll gepflegten alten Häuser bewahren den Charakter einer dorfähnlichen Kleinstadt. Das Schloss Rheda, der ehemalige bischöfliche Amtssitz Reckenberg und einzelne größere, repräsentative Bauten stören diesen Eindruck nicht, sondern betonen ihn. In beiden Stadtzentren spielt das Fachwerk der alten Handwerker- und Ackerbürgerhäuser eine große Rolle. Da wo es in der Modernisierungswelle der 70er Jahre verschwunden ist, sind zumeist Bauten in ähnlichem Umfang errichtet worden. Auch die Stadterweiterungen geschahen mit Augenmaß. So blieben die menschlichen Maßstäbe erhalten, die das Leben in einer alten Stadt schön und gemütlich machen. Gemütlichkeit ist ein typisch deutsches Wort, dass nur schwer in andere Sprachen zu übersetzen ist. Bei einem Bummel durch die Altstädte oder bei einem Besuch in der kleinen Budenstadt des Christkindelmarktes kann aber jeder Besucher hautnah Gemütlichkeit erleben.

Zu einem schönen Spaziergang lädt auch die gepflegte Parkanlage entlang der Ems ein. Das grüne Band der Flora Westfalica, der Nachfolgegesellschaft der Landesgartenschau von 1988, verbindet die beiden Altstädte. Gerne wandern die Menschen durch den Park in den anderen Ortsteil oder nutzen gemeinsam das Kulturangebot in der Anlage. Das Reethus, die Aktionsmulde und die "Spielerei", die Veranstaltungsorte aus Gartenschauzeiten, liegen zwischen Rheda und Wiedenbrück und bieten für jeden Besucher etwas.