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Rathäuser der Stadt

Rathäuser der Stadt

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück nutzt das Rathaus im Stadtteil Rheda und das Historische Rathaus im Stadtteil Wiedenbrück.

Der Großteil der Stadtverwaltung ist dabei im Rathaus im Stadtteil Rheda beheimatet.

Das Historische Rathaus am Wiedenbrücker Markt ist Heimat des Standesamtes.

Das Rathaus im Stadtteil Rheda

Architekt: Prof. Dipl.-Ing. Harald Deilmann, Münster
Bauleitung: Städt. Hochbauamt
Bauzeit: 01.03.1972 bis 31.10.1974
Bebaute Fläche: 2.101,6 qm
Umbauter Raum: 30.289,7 cbm
Höhe: 37 m
Fenster: 650
Fassadensanierung: 2004

Das Rathaus der Stadt Rheda-Wiedenbrück steht am Standort des alten klassizistischen Rathauses der Stadt Rheda am heutigen Rathausplatz. Im Großen Sitzungssaal tagt der Stadtrat. Daneben haben auch die Fraktionen ihre Räume. Außerdem sind nahezu alle Stellen der Kernverwaltung - außer dem Standesamt - im Rathaus beheimatet.

Historisches Rathaus im Stadtteil Wiedenbrück

Das Historische Rathaus am Marktplatz Wiedenbrück dient heute als Standesamt. Auch das Bürgerbüro bietet hier seinen Service an.

Errichtet wurde das Rathaus in Wiedenbrück 1619, ein Jahr nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. 1790 wurde das Rathaus in größerem Umfang umgebaut. In dieser Zeit ist vor allem die Fassadenseite zum Markt hin entstanden: ein früherer Laubengang wurde in das Gebäude einbezogen. Die Breite des früheren Laubenganges wird an der Fassade zur Kirchenseite hin durch einen so genannten Neidkopf markiert. Einer der Balkenköpfe ist als Menschenkopf gestaltet. Neidköpfe hatten eine Unheil verhütende Bedeutung. Abbildungen dieser Art sind eine Art christlicher Ersatz für die heidnischen Bauopfer, die als lebende Wesen (meist Katzen, Hunde, Hühner) in einen Bau eingemauert wurden, um ihn vor Unheil zu schützen. Die Fassade zum Markt hin ist mit Quaderputz versehen, doppelgeschossig, mit neun Fensterachsen. Der Eingang liegt in der Mittelachse; über der schmucklosen Türöffnung prangt das fürstbischöflich-osnabrücker Wappen aus der Zeit des Kölner Kurfürsten Clemens August (1728 - 61 Fürstbischof von Osnabrück). Es zeigt unter einem Kurhut ein rotes stehendes Sechsspeichenrad in silbernem Rokokoschild, von Palmwedeln, Ähren- und Blumenkranz umrahmt, darunter das Wiedenbrücker Stadtwappen: Rotes stehendes Sechsspeichenrad in silbernem Barockschild, von springenden Löwen gehalten.

Inschriften am Historischen Rathaus

An der rückwärtigen Fassade zum Ratskeller hin finden sich am Langbalken die Reste folgender Inschrift:

..... BELLA SUNT FINIS OMNIUM GENITRIX  PAX EST CUSTODIA RERUM ..... NULLA  VOLUPTAS NULLUS AMOR NULLUM RELIGIONIS OPUS SAECULA PAX RENOVAT PAX AUREA TEMPORA PORTAT ET MORES  PRISCAE SIMPLICITATIS HABET ANNO 1619

Die ersten drei Wörter bilden vermutlich das Ende eines Prosatextes. Bei den dann folgenden Wörtern handelt es sich formal um drei antike Verspaare (Distichen), die jeweils aus einem Hexameter und einem Pentameter bestehen (griechisch: Di-stichen = Zwei-zeiler; hex = sechs; pente = fünf; metron = Maß, Versmaß, Versfuß). Ein Hexameter hat sechs Versfüße; jeder Versfuß besteht aus einer betonten Silbe, der eine oder zwei unbetonte Silben folgen. Der Pentameter hat ebenfalls sechs Versfüße; der dritte und der sechste Versfuß enden jedoch bereits nach der betonten Silbe, so dass zwei halbe Versfüße entstehen, die zusammen als ein Versfuß gerechnet werden (daher "Pentameter"). Beachtenswert: Da der dritte Versfuß mit einer betonten Silbe endet, stoßen in der Mitte des Pentameters zwei betonte Silben aufeinander.

Vollständig erhalten ist von den drei Distichen nur das letzte. Es ist in folgender Weise zu betonen:

SAECULA PAX RENOVAT PAX AUREA TEMPORA PORTAT ET MORES PRISCAE SIMPLICITATIS HABET

Friedrich Schiller hat den Versrhythmus eines Distichons in folgender Weise beschrieben: Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule – im Pentameter drauf, fällt sie melodisch herab.

Die drei Distichen auf dem Langbalken beklagen Kriege und preisen den Frieden.

Übersetzung: ..... Kriege sind das Ende. Der Friede ist die Mutter von allem, der Hüter der Dinge ..... kein Vergnügen, keine Liebe, kein Werk der Religion. Frieden läßt die Zeiten sich erneuern. Frieden bringt goldene Zeiten und hat die Sitten früherer Einfachheit. Anno 1619 Wie schon gesagt, wurde das Rathaus ein Jahr nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges erbaut. Sicherlich hat niemand der Erbauer geahnt, daß die ein Jahr zuvor mit dem Prager Fenstersturz ausgelösten Streitigkeiten sich zu einem alles vernichtenden Krieg ausweiten würden, der halb Europa ausbluten ließ. Vielleicht hat man zu diesem Zeitpunkt in Wiedenbrück den beginnenden Krieg noch nicht einmal zur Kenntnis genommen. In jedem Fall aber dürfte den Gebildeten der Stadt Wiedenbrück der Satz des griechischen Philosophen Heraklit "pólemos patér pánton" (Der Krieg ist der Vater aller Dinge) bekannt gewesen sein. Der Anfang der Versinschrift an der Rückseite des Rathauses ist möglicherweise als direkte Antwort auf dieses Heraklit-Wort gedacht.

Die Giebelseite zur Kirche hin weist drei Inschriftenbänder auf.  

Auf dem Tiefbalken befindet sich an der reich verzierten Obergeschoßschwelle eine in Latein verfasste Inschrift (Distichon!) mit der unmittelbar darauf folgenden Übersetzung

SIC GEMINAS HOMINI CONCESSIT CONDITOR AURES POSSIT UT HAEC LAESIS ILLA PATERE REIS

DEM MENSCHEN GOTT NICHT OHNE RATH ZWEY OHREN ANGESCHAFFEN HAT   DAS ER DAMIT HOERE OHNE VERDACHT WAS CLEGER UND BECLAGTER SAGT

  

An der Giebelschwelle steht:

MAGISTRATUS A DEO ORDINATUS EST QUI AUTEM MAGISTRATUM CONTEMNIT ILLE JURI NATURALI ET DIVINO REPUGNAT AC ORDINATIONI DIVIN(A)E RESISTIT IMPIUS

(Der Magistrat ist von Gott eingesetzt. Wer aber den Magistrat verachtet, der widerspricht dem natürlichen und göttlichen Gesetz und leistet unfromm der göttlichen Ordnung Widerstand.)

Der Text bezieht sich auf den Brief des Paulus an die Römer (Römer 13, Vers 1 und 2). Dort heißt es: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen [das heißt: sie werden verurteilt werden].

Am Balken der Giebelspitze steht nur der deutsche Text:

EINEN GERECHTEN UND STANDHAFFTEN MAN GARKEIN GEFAHR ERSCHREKEN KAN ER PLEIBET VESTE UND STEHET STILLE OBGELEICH DIE WELT IN HAUFFEN FIELE   AN [N] 0 1619

Dieser Text gibt sinngemäß die erste Strophe einer der Römeroden (Carmina III/3) des römischen Dichters Horaz wieder. Die erste Strophe lautet in der deutschen Übersetzung:

Einen gerechten und an einer Entscheidung festhaltenden Mann drängt nicht die Volkswut zum Schlechten, nicht das drohende Gebaren eines Tyrannen erschüttert den uner- schrockenen Geist, auch nicht der Südsturm.

Das Vorgängergebäude des Historischen Rathauses

Es wurde Anfang des 16. Jahrhunderts an der gleichen Stelle auf dem Marktplatz errichtet. Im Lohnherrenregister des Jahres 1515 findet man hierzu folgende Eintragungen: im „nigen rathuß“ werden Dachpfannen aufgehängt (Blatt 33b), und auf das „alde rathuß“ bringt jemand zwei Fuhren Steine (Blatt 34b). Schon gut hundert Jahre später, im Juni 1619, erfolgt der Abbruch. Im Juli des gleichen Jahres legen dann die Maurer den „ersten Stein“ für den Neubau (Lohnherrenregister 1619, Blatt 15a).

Das Wiedenbrücker Rathaus im Mittelalter

Es befand sich ebenfalls im Marktbereich, und zwar in der Mitte der Westseite des Marktes, dort, wo heute der linke Anbau des 1560 errichteten „Ratskellers“ steht. Anfang des 17. Jahrhunderts hat man das Gebäude abgerissen. Das zur Langen Straße hin erweiterte Grundstück wurde 1606 von den Eheleuten Arndt Funke und Margaretha Craß bebaut.

Der bis 2009 im Internet „Rheda-Wiedenbrück" zu lesende Text zum Thema „Die Rheda-Wiedenbrücker Rathäuser" wurde 2011 von Karl Heinz Bloch überarbeitet und 2014 durch den Nachweis von zwei Vorgängergebäuden ergänzt.